Quick Facts zur Servolenkung
- Die Servolenkung wurde 1926 vom Ingenieur Francis W. Davis erfunden. Die erste hydraulische Servolenkung kam 1951 zum Serieneinsatz.
- Es wird zwischen drei Arten unterschieden: hydraulische Servolenkung (HPS), elektrohydraulische Servolenkung (EHPS) und elektrische Servolenkung.
- Eine Servolenkung verstärkt deine Lenkkraft und erleichtert das Bewegen des Lenkrads erheblich.
- Nahezu alle modernen Fahrzeuge sind mit einer elektrischen Servolenkung ausgestattet.
Was ist eine Servolenkung genau?
Stell dir vor, du müsstest einen vollbeladenen SUV ohne jegliche Unterstützung einparken, nur mit reiner Muskelkraft. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war das für Autofahrer Alltag. Die Einführung der Servolenkung änderte das grundlegend und ist seitdem aus dem Fahralltag nicht mehr wegzudenken.
Eine Servolenkung ist also ein aktives Lenkhilfesystem, das zwischen dem Lenkrad und den Rädern eingreift. Wenn man das Lenkrad dreht, erfasst das System die aufgebrachte Kraft sowie die Richtung der Lenkbewegung und setzt diese Informationen in zusätzliche Lenkkraft um. Je nach Bauart erfolgt die Umwandlung über Hydraulikdruck, einen Elektromotor oder eine Kombination aus beidem. Ohne diese Unterstützung müsste enorm viel Kraft aufgewendet werden, um die Räder einzuschlagen.
Entwicklung der Servolenkung über die Jahre
In knapp 70 Jahren hat die Servolenkung eine beachtliche Entwicklung durchlaufen. Was heute für viele Autofahrer selbstverständlich ist, war lange eine ingenieurtechnische Herausforderung. Ein Blick auf die drei verschiedenen Arten der Servolenkung zeigt, wie die heutige Technik zustande kam:
Hydraulische Servolenkung
Die hydraulische Servolenkung (HPS/Hydraulic Power Steering) feierte 1951 ihr Seriendebüt und blieb über mehrere Jahrzehnte hinweg der unangefochtene Standard. Das zentrale Element der HPS ist eine direkt vom Verbrennungsmotor angetriebene Hydraulikpumpe, die kontinuierlich Druck im Ölkreislauf aufbaut. Sobald das Lenkrad bewegt wird, gibt ein Drehschieberventil den Weg für das Hydrauliköl in den Lenkzylinder frei. Dieser drückt die Zahnstange in die gewünschte Richtung und erhöht so die Lenkkraft spürbar.
Diese Variante bot zu ihrer Zeit ein angenehmes Fahrgefühl. Der entscheidende Nachteil war jedoch der Dauerbetrieb der Hydraulikpumpe: Unabhängig davon, ob gerade gelenkt wurde oder nicht, war sie immer in Verwendung. Dabei wurde durchgehend Motorleistung abgezogen. Hinzu kamen regelmäßige Wartungsintervalle für die Hydraulikflüssigkeit sowie das Risiko von Leckagen im Schlauchsystem.
Elektrohydraulische Servolenkung
In den späten 1980er- bis frühen 1990er-Jahren folgte mit der elektrohydraulischen Servolenkung (EHPS/Electro-Hydraulic Power Steering) eine technologische Weiterentwicklung. Der wesentliche Unterschied zur HPS besteht darin, dass die Hydraulikpumpe nicht mehr direkt vom Verbrennungsmotor, sondern von einem separaten Elektromotor angetrieben wird. Dadurch konnte das System erstmals bedarfsgerecht arbeiten. Wird nicht gelenkt, läuft die Pumpe gedrosselt oder überhaupt nicht, wodurch Energie gespart und der Wirkungsgrad deutlich verbessert wird.
Außerdem ermöglichte die EHPS den Einsatz in Fahrzeugen mit Start-Stopp-Automatik, bei denen der Verbrennungsmotor phasenweise abgeschaltet ist. Besonders in Transportern, größeren SUVs oder frühen Hybridmodellen – also Fahrzeugen mit höherem Lenkkraftbedarf – hielt sich die EHPS deshalb noch lange.
Elektrische Servolenkung
Die elektrische Servolenkung (EPS/Electric Power Steering) stellt heute den vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung dar. Sie ist heute in nahezu allen Neuwagen verbaut, darunter in der gesamten aktuellen Volkswagen-Modellpalette. Bei der EPS entfällt die Hydraulik vollständig: Ein Elektromotor, der je nach Bauart an der Lenksäule oder direkt am Lenkgetriebe sitzt, übernimmt die Lenkkraftunterstützung. Ein Drehmomentsensor erfasst in Echtzeit, wie stark und in welche Richtung gelenkt wird. Die Steuereinheit berechnet daraus die exakt dosierte Unterstützung und aktiviert den Motor entsprechend.
Im Vergleich zu ihren Vorgängern zeichnet sich die EPS durch ihre Fähigkeit zur situationsabhängigen Anpassung aus. Bei niedrigen Geschwindigkeiten, etwa beim Einparken, liefert sie maximale Unterstützung für leichtes Manövrieren. Bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn reduziert sie hingegen die Unterstützung automatisch, um ein direktes und stabiles Handling zu gewährleisten.
Einbindung in Fahrassistenzsysteme
Da die elektrische Servolenkung eine digitale Natur hat, lässt sie sich auch nahtlos in moderne Assistenzsysteme integrieren:
- Aktive Spurhalteassistenten wie der Lane Assist von Volkswagen nutzen die EPS, um bei unbeabsichtigtem Verlassen der Fahrspur sanfte Lenkeingriffe vorzunehmen.
- Automatische Einparksysteme wie der Park Assist setzen auf eine elektrische Servolenkung, da sie präzise und wiederholbare Lenkeingriffe benötigen.
- In teilautomatisierten Fahrfunktionen wie dem Travel Assist übernimmt die Technologie im Zusammenspiel mit Frontkamera und weiteren Sensoren zeitweise das aktive Lenken.
Progressivlenkung: Noch mehr Präzision
Eine spezielle Variante der elektrischen Servolenkung ist die Progressivlenkung. Sie ist bei bestimmten VW-Modellen serienmäßig (z. B. VW Golf R, VW ID.7 GTX oder VW T-Roc R-Line) verfügbar. Ihr Funktionsprinzip: Die Lenkübersetzung ist nicht konstant, sondern verändert sich je nach Lenkwinkel. Bei kleinen Winkeln ist die Übersetzung indirekt (stabil und gedämpft, etwa auf der Autobahn), bei größeren Winkeln hingegen direkter (agil, z. B. beim Einparken).
In Kombination mit Fahrmodi – von Eco bis Sport – lässt sich die Lenkcharakteristik zusätzlich an deinen persönlichen Fahrstil anpassen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ):
Die Servolenkung unterstützt dich beim Lenken, indem sie die von dir auf das Lenkrad aufgebrachte Kraft verstärkt.
Das Fahrzeug bleibt lenkbar, da die mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern weiterhin intakt ist. Allerdings musst du deutlich mehr Kraft aufwenden, insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten oder beim Einparken. Ein Ausfall im Lenksystem wird über eine Warnleuchte im Cockpit angezeigt. In diesem Fall solltest du zügig eine Volkswagen Fachwerkstatt aufsuchen.
Typische Anzeichen sind:
- ungewöhnlich schwergängiges oder ungleichmäßiges Lenkrad
- ein Ziehen in eine Richtung ohne erkennbaren Grund
- Geräusche beim Lenken (z. B. Quietschen oder Zischen)
- Bei hydraulischen Systemen: sinkender Flüssigkeitsstand
- Warnleuchte im Cockpit
Nein. Das Lenkgetriebe ist die mechanische Komponente, die die Drehbewegung des Lenkrads in eine seitliche Bewegung der Räder umwandelt. Die Servolenkung ist ein Assistenzsystem, das diesen Vorgang mit zusätzlicher Kraft unterstützt. Je nach Bauart ist die Servolenkung in das Lenkgetriebe integriert oder arbeitet als separates System.