Ein Allradantrieb erhöht die Traktionsreserven und vermittelt das beruhigende Gefühl, auch bei schlechter Witterung oder ungünstigen Fahrbahnzuständen sicher voranzukommen. Das System sorgt für eine Steigerung der Fahrstabilität, einen hervorragenden Geradeauslauf sowie beste Seitenwindstabilität.
Allradantrieb von Volkswagen.
Technologie und Funktionsweise
Je nach Bauart bildet das Herzstück des Allradantriebs ein Differenzial zwischen Vorder- und Hinterachse, das so genannte Verteilerdifferenzial. Dieses hat die Aufgabe, die Antriebskräfte variabel auf Vorder- und Hinterachse zu verteilen. Treten zwischen den Achsen unterschiedliche Drehzahlen auf, etwa durch Schlupf einer Achse auf glattem oder losem Untergrund, verteilt das System die Antriebsmomente entsprechend auf beide Achsen.
Gleichzeitig müssen aber kleinere Drehzahlunterschiede bei Kurvenfahrt oder Rangieren ausgeglichen werden, damit es nicht zu Verspannungen im Antriebsstrang kommt. Zusätzlich darf das Differenzial nicht die Funktionalität der Fahrdynamikregelsysteme ESP, ASR und EDS einschränken. Aufgrund unterschiedlichster Anforderungen bietet Volkswagen seinen Allradantrieb in drei verschiedenen Differenzial-Typen an:
- Haldex-Kupplung
- Torsendifferenzial
- Zentraldifferenzial mit elektronisch geregelter Lamellensperre
Vorteile auf einen Blick
- 4MOTION wirkt sich positiv auf das Beschleunigungsverhalten aus.
- Es ermöglicht höhere Kurvengeschwindigkeiten.
- Und bietet somit ein Plus an Fahrsicherheit und Fahrspaß - immer in Abhängigkeit von den jeweiligen Fahrbahnverhältnissen.
4MOTION im Tiguan
Im Tiguan ist 4MOTION auf Wunsch auch elektronisch steuerbar: Per Knopfdruck wird das Offroad-Fahrprogramm mit seinen verschiedenen Assistenzsystemen aktiviert. Während der Bergabfahrassistent für optimale Geschwindigkeitskontrolle bei Gefällen sorgt, greift die Anfahrhilfe in das Motormanagement ein und schont so die Kupplung. Die flache Gaspedalkennung ermöglicht eine feinere Dosierbarkeit des Drehmoments. Und das sensible ABS-System garantiert auf losem Untergrund eine optimale Bremswirkung.
Die Haldex-Kupplung.
Die Haldex-Kupplung ist eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung. Die Verteilung der Antriebskräfte auf die Achsen erfolgt dabei variabel und bezieht auch unterschiedliche Fahrzustände mit ein. Grundsätzlich verteilt die Haldexkupplung die Antriebskräfte immer zur Achse mit der besseren Traktion. Auf diese Weise reagiert 4MOTION ideal und blitzschnell auf alle Fahrsituationen. Dabei bleibt das gewohnte Fahrgefühl eines Fronttrieblers erhalten. Ein Verspannen des Antriebsstrangs beim Parken und Rangieren ist ausgeschlossen. Zudem ist die Haldex-Kupplung mit allen Fahrdynamikregelsystemen (ABS, EDS, ASR, EBV und ESP) ohne Einschränkung kombinierbar.
Zuständig für den Kraftschluss zwischen Vorder- und Hinterachse ist die Lamellenkupplung. Elektronisch angesteuerte Pumpen regeln den Druck auf die Lamellenscheiben der Kupplung. Mit zunehmender Höhe des ausgeübten Drucks werden die Lamellenpakete gegeneinander gepresst. Auf diese Weise lässt sich der Kraftschluss zwischen den Lamellenpaketen und somit die Kraftverteilung zwischen den Achsen feinfühlig regulieren.
Die Aufgabe der elektronischen Steuerung besteht darin, neben dem Schlupf und den daraus resultierenden Drehzahlunterschieden zwischen den Achsen weitere Regelgrößen, wie den fahrdynamischen Zustand oder Antriebsmomente, abzugleichen. Das Steuergerät berücksichtigt bei der Regelarbeit zusätzliche Informationen über die Fahrdynamik, wie beispielsweise Geschwindigkeit, Kurvenfahrt, Schub- oder Zugbetrieb.
Das Torsendifferenzial.
Das Torsendifferenzial ist ein mechanisch selbstsperrendes Zwischendifferenzial (Ausgleichsgetriebe), das die Kraft zwischen Vorder- und Hinterachse bedarfsabhängig regelt. Der Begriff "Torsen" setzt sich aus den englischen Wörtern "torque" (Drehmoment) und "sensoring" (fühlend) zusammen. Das Differenzial arbeitet "drehmomentfühlend". Dabei reagiert das System auf unterschiedliche Drehkräfte zwischen der Ein- und Ausgangswelle (Vorder- bzw. Hinterachse). Dadurch ist eine variable Verteilung des Antriebsmoments zwischen den Achsen möglich. Beim Torsendifferenzial sind die beiden Abtriebsräder durch Schneckengetriebe verbunden. Sie begrenzen hohe Differenzdrehzahlen, sorgen aber dennoch für einen Ausgleich bei Kurvenfahrten.
Im Phaeton ist die Grundauslegung des Torsendifferenzials so gewählt, dass die Antriebskräfte im Normalfall 50:50 auf Vorder- und Hinterachse verteilt werden. Bei Schlupf leitet das Torsendifferenzial stufenlos und ohne Verzögerung bis zu 20 Prozent der Antriebsleistung auf die Achse mit der besseren Traktion (max. 70:30, bzw. 30:70). Die Sperrwirkung des Torsendifferenzials steigt automatisch mit der Last, es arbeitet im Gegensatz zu einer "drehzahlfühlenden" Viscosperre "drehmomentfühlend". Vorteil ist die Verspannungsfreiheit bei Kurvenfahrt, da vom Fahrzeug gewollte Differenzdrehzahlen zugelassen werden.
Allradantrieb im Touareg - extrem geländefähig.
Der permanente Allradantrieb 4XMOTION ist die Basis für die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit des Touareg im extremen Gelände. Das Fahrzeug verfügt über ein sperrbares Zentraldifferenzial mit einer Lamellenkupplung und Reduktionsgetriebe. Im Normalbetrieb erfolgt eine schlupfabhängige und stufenlose Momentenverteilung auf Vorder- und Hinterachse. Zusätzlich lässt sich das Zentraldifferenzial sperren, so dass es dann zu einer festen Antriebsmomentverteilung kommt. Die Kraftumlenkung zur Vorderachse erfolgt über einen Winkeltrieb, der aufgrund der baulichen Voraussetzungen im Touareg notwendig ist.
4XMOTION kann zudem mit Hinterachsdifferenzial mit Quersperre und einer Sperrwirkung von 100 Prozent ausgestattet werden. Die Aktivierung der Differenzialsperren erfolgt auf Fahrerwunsch. Durch einen Drehschalter im Cockpit kann die Differenzialsperre des Touareg manuell aktiviert werden. Dadurch verbessert sich im extremen Gelände die Traktion: Die Antriebskräfte werden über Differenziale nicht mehr umgeleitet. Jedes Hinterrad überträgt dann dasselbe Antriebsmoment und dreht mit der gleichen Geschwindigkeit wie das andere Rad.
Die Getriebereduktionsstufe (2,66:1) für den schweren Geländeeinsatz ist über den Fahrwerkschalter elektrisch zuschaltbar. Sie ermöglicht die maximale Antriebskraft bei geringer Geschwindigkeit. Dadurch erreicht der Touareg eine Steigfähigkeit von bis zu 100 Prozent (45°).